Weizen, Gluten und Leaky Gut: Macht Brot deinen Darm wirklich undicht?
Brot ist das neue Rauchen. Zumindest, wenn man sich durch Instagram, Podcasts und Wellness-Blogs scrollt. Gluten soll den Darm durchlöchern, Entzündungen im ganzen Körper anfachen und nebenbei noch für Bauchfett, Brain Fog und schlechte Laune verantwortlich sein. Im Zentrum steht fast immer dasselbe Schlagwort: Leaky Gut. Ein vielgelesener Beitrag der Funktionsmedizinerin und Bestsellerautorin Amy Myers («The Autoimmune Solution») auf der HuffPost, «This Is Your Gut on Gluten» aus dem Jahr 2013, bringt diese Sichtweise ziemlich gut auf den Punkt. Nur: Was steckt wissenschaftlich wirklich dahinter? Wir haben uns die Studien angeschaut, auch jene, die seit 2013 neu dazugekommen sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei gesunden Menschen macht Brot den Darm nicht dauerhaft undicht. Gluten kann die Darmbarriere im Labor kurz öffnen, das schafft aber auch ein hartes Training.
- Für Menschen mit Zöliakie ist Gluten tatsächlich schädlich. Das betrifft rund einen von hundert Menschen.
- Viele, die Weizen schlecht vertragen, reagieren eher auf Fruktane als auf Gluten. Brot mit langer Teigführung ist für sie oft besser verträglich.
- Wenn du Beschwerden hast: zuerst Zöliakie abklären lassen, erst danach Gluten weglassen. Sonst kann der Test falsch ausfallen.
Der Vorwurf: Gluten macht deinen Darm undicht
Bei uns im Studio vergeht kaum ein Monat, in dem nicht jemand beim Aufwärmen erzählt, er habe «jetzt Gluten weggelassen» und fühle sich seither wie neu geboren. Meistens folgt dann die Erklärung, die man auch in Artikeln wie dem HuffPost-Beitrag liest: Gluten öffne die Darmwand, unverdaute Teilchen gelangten ins Blut und das Immunsystem laufe daraufhin dauerhaft auf Hochtouren.
Die Argumentationskette sieht ungefähr so aus: Gluten setzt Zonulin frei, Zonulin öffnet die Darmwand, Fremdstoffe gelangen ins Blut, das Immunsystem schlägt Alarm. Myers ergänzt das um weitere Argumente. Zusammengefasst argumentiert sie:
- Zöliakie und Glutenunverträglichkeit hätten in den letzten 50 Jahren stark zugenommen.
- Der heutige Weizen sei nicht mehr der Weizen unserer Eltern. Durch Kreuzungen seien rund fünf Prozent seiner Proteine neu, zudem werde Weizen heute chemisch so verändert, dass er sich in fast jedes Fertigprodukt mischen lässt, was starke Immunreaktionen auslöse.
- Bei empfindlichen Menschen setze Gluten Zonulin frei, das die Verbindungen zwischen den Darmzellen aufbreche. Toxine, Mikroben, Nahrungsbestandteile und Antikörper gelangten so ins Blut und griffen später Haut, Schilddrüse oder Gehirn an.
- Der beste Test sei, Gluten 30 Tage wegzulassen, denn der Körper wisse es besser als jeder Labortest. Ihr Schlusswort: Im Zweifel lieber ganz verzichten.
Das klingt schlüssig. Und in vielem steckt ein wahrer Kern. Myers schreibt aus ihrer Erfahrung als Ärztin, und viele ihrer Patientinnen und Patienten dürften sich ohne Gluten tatsächlich besser gefühlt haben. Seit ihr Artikel 2013 erschienen ist, hat sich die Forschung aber stark weiterentwickelt, und manche Punkte lassen sich heute anders erklären. Die entscheidende Frage ist nicht, ob die einzelnen Schritte im Labor nachweisbar sind, sondern ob die ganze Kette auch bei gesunden Menschen hält, die ganz normal Brot, Pasta und Birchermüesli essen. Schauen wir uns die Punkte einzeln an.
Was ist «Leaky Gut» überhaupt?
Deine Darmschleimhaut ist eine erstaunliche Konstruktion: eine einzige Zellschicht, geschützt von einer Schleimschicht und bewacht von Immunzellen. Zwischen den Zellen sitzen sogenannte Tight Junctions, eine Art Reissverschluss, der regelt, was zwischen den Zellen hindurch darf und was nicht.
Wichtig ist: Diese Barriere ist nie komplett dicht und soll es auch gar nicht sein. Sie öffnet und schliesst sich ständig, je nachdem, was gerade im Darm los ist. Eine gewisse Durchlässigkeit ist also normal. Messen lässt sie sich zum Beispiel mit Zuckertests, bei denen man bestimmte Zuckerarten trinkt und danach im Urin schaut, wie viel davon durch die Darmwand gelangt ist.
Dass die Darmbarriere bei Krankheiten wie Zöliakie, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder schweren Verbrennungen durchlässiger wird, ist gut belegt. Ein eigenständiges «Leaky-Gut-Syndrom» als Diagnose gibt es in der Schulmedizin dagegen nicht. Michael Camilleri von der Mayo Clinic hat die Studienlage 2019 im Fachjournal Gut zusammengefasst. Sein Fazit: Was öffentlich über Leaky Gut kursiert, sollte erst bestätigt werden, bevor man deswegen Lebensmittel streicht oder Supplements kauft. Und keine Darmerkrankung liess sich bisher heilen, indem man einfach die Barriere wieder abdichtet.
Durchlässigkeit ist also eher ein Symptom als eine Ursache. Das ist ein wichtiger Unterschied, wenn man die Frage stellt, ob ein einzelnes Lebensmittel daran schuld sein soll.
Zonulin: Das Molekül, auf dem die ganze Geschichte aufbaut
Zonulin wurde Anfang der 2000er-Jahre von der Gruppe um den Zöliakie-Forscher Alessio Fasano beschrieben. Es ist eine Art Türöffner für die Tight Junctions. Fasano selbst sieht darin einen zentralen Mechanismus für Entzündungen und Autoimmunerkrankungen, besonders bei Zöliakie.
Die Studien, auf die sich Gluten-Kritiker gerne berufen, gibt es tatsächlich:
- Eine Laborstudie von 2006 setzte Gewebeproben aus dem Dünndarm im Labor Gliadin aus. Bei Zöliakie-Patienten führte das zu einer anhaltenden Zonulin-Ausschüttung und einer deutlich erhöhten Durchlässigkeit. Bei Menschen ohne Zöliakie war die Zonulin-Freisetzung dagegen nur begrenzt und vorübergehend, und die Durchlässigkeit erreichte nie das Niveau des Zöliakie-Gewebes.
- Eine Folgestudie von 2015 wiederholte das Experiment mit Biopsien von vier Gruppen. Das Ergebnis, das in vielen Blogs zitiert wird: Gliadin erhöhte die Durchlässigkeit bei allen, auch bei den gesunden Kontrollpersonen. Am stärksten war der Effekt bei aktiver Zöliakie und bei Menschen mit Glutensensitivität.
Klingt nach einem klaren Urteil gegen Gluten. Schaut man genauer hin, relativiert sich das aber deutlich. In der Folgestudie wurden pro Gruppe gerade einmal fünf bis sechs Gewebeproben untersucht. Das Gliadin wurde vorverdaut direkt auf ein Stück Schleimhaut in einer Messkammer gegeben, gemessen wurde über zwei Stunden. Das ist eine wertvolle Grundlagenforschung, aber etwas völlig anderes als ein Butterbrot, das zusammen mit anderen Lebensmitteln durch einen intakten Darm wandert. Und eine kurze, wieder abklingende Öffnung der Tight Junctions ist noch lange kein Schaden. Genau das passiert in deinem Darm auch während eines harten Trainings.
Dazu kommt ein handfestes Messproblem. Viele Labore bieten Zonulin-Tests aus Blut oder Stuhl an, um «Leaky Gut» nachzuweisen. Eine Forschergruppe aus Leipzig, an der Fasano selbst beteiligt war, zeigte 2018 jedoch: Ein weit verbreiteter kommerzieller Zonulin-Test erkennt das eigentliche Zonulin gar nicht, sondern andere, verwandte Eiweisse. Wenn dir also jemand einen erhöhten Zonulin-Wert als Beweis für einen löchrigen Darm präsentiert, ist eine gesunde Portion Skepsis angebracht. Ähnliches gilt für viele Selbsttests, die online verkauft werden, wie wir schon bei den Lifestyle-Genanalysen gezeigt haben.
Zöliakie, Weizenallergie, Sensitivität: Drei verschiedene Baustellen
Wer über Gluten spricht, wirft oft drei sehr unterschiedliche Dinge in einen Topf.
Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung. Gluten löst bei genetisch veranlagten Menschen eine Immunreaktion aus, die die Dünndarmschleimhaut schädigt. Weltweit sind etwa 0,7 bis 1,4 Prozent der Menschen betroffen, je nachdem, ob man Bluttests oder Biopsien zählt. Für sie ist eine strikt glutenfreie Ernährung keine Lifestyle-Entscheidung, sondern Therapie. Hier ist die Sache wissenschaftlich klar.
Myers hat recht, dass Zöliakie häufiger geworden ist. Forschende der Mayo Clinic verglichen Blutproben von US-Soldaten aus den Jahren 1948 bis 1954 mit heutigen Proben. Damals hatten 0,2 Prozent eine unerkannte Zöliakie, heute sind es 0,8 bis 0,9 Prozent, also rund viermal so viele. Warum, ist allerdings ungeklärt. Die Autoren selbst nennen unter anderem veränderte Infektionsmuster in der Kindheit, die sogenannte Hygienehypothese. Dass der Weizen sich verändert hat, belegt die Studie nicht.
Richtig ist auch, dass Menschen mit Zöliakie Antikörper gegen das körpereigene Enzym Gewebstransglutaminase bilden und häufiger an weiteren Autoimmunerkrankungen leiden, etwa an Typ-1-Diabetes oder einer Schilddrüsenentzündung.
Weizenallergie ist eine klassische Allergie gegen Weizeneiweisse, die zum Beispiel Hautreaktionen, Atembeschwerden oder in seltenen Fällen auch einen allergischen Schock auslösen kann.
Nicht-Zöliakie-Gluten- oder Weizensensitivität ist die grosse Grauzone. Gemeint sind Menschen, die nach Weizen Beschwerden haben, obwohl Zöliakie und Allergie ausgeschlossen sind. Dass diese Beschwerden real sind, bezweifelt niemand ernsthaft. Offen ist, ob wirklich das Gluten der Auslöser ist. Die Studien dazu zeichnen ein überraschendes Bild:
- 2011 zeigte eine australische Doppelblindstudie, dass Gluten bei Menschen ohne Zöliakie Beschwerden auslösen kann. Dieselbe Forschungsgruppe wiederholte das Experiment 2013 jedoch mit einer Ernährung, die arm an sogenannten FODMAPs war, also an schwer verdaulichen, gärenden Kohlenhydraten. Plötzlich fand sie keinen spezifischen Effekt von Gluten mehr.
- In einer norwegischen Studie von 2018 erhielten 59 Menschen, die sich selbst als glutensensitiv bezeichneten, verblindet Müesliriegel mit Gluten, mit Fruktanen oder ohne beides. Fruktane, also Kohlenhydrate, die ebenfalls im Weizen stecken, verursachten deutlich mehr Blähungen und Beschwerden als Gluten. Gluten unterschied sich im Schnitt nicht vom Placebo.
- Eine Auswertung von zehn doppelblinden Studien mit insgesamt 1’312 Erwachsenen kam 2017 zum Schluss, dass nur rund 16 Prozent der vermeintlich Glutensensitiven tatsächlich spezifisch auf Gluten reagierten. Rund 40 Prozent hatten unter Placebo gleich starke oder sogar stärkere Beschwerden. Fachleute sprechen hier vom Nocebo-Effekt: Wer erwartet, dass ihm etwas schadet, spürt das oft auch.
Das heisst aber nicht, dass alles nur im Kopf stattfindet. Eine Studie der Columbia University untersuchte 2016 80 Menschen mit selbst berichteter Weizensensitivität. Bei ihnen fanden sich erhöhte Marker für eine Schädigung der Darmzellen und eine Aktivierung des Immunsystems, die sich unter weizenfreier Ernährung besserten. Ein Kandidat dafür sind die sogenannten Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs). Das sind Abwehrstoffe der Weizenpflanze gegen Schädlinge, die im Labor das angeborene Immunsystem aktivieren. Zum Gluten gehören sie nicht.
Die ehrliche Zusammenfassung: Es gibt eine Gruppe von Menschen, die schlecht auf Weizen reagiert, und bei einem Teil davon lassen sich auch messbare Veränderungen nachweisen. Gluten ist dabei aber vermutlich seltener der Hauptverdächtige, als es sein Ruf vermuten lässt. Deshalb sprechen viele Forschende inzwischen lieber von Weizensensitivität als von Glutensensitivität.
Ist der moderne Weizen schuld?
«Wir essen nicht mehr den Weizen unserer Eltern» ist vermutlich der meistzitierte Satz aus Myers‘ Artikel. Durch Züchtung und Kreuzung enthalte der heutige Weizen neue, unbekannte Proteine und sei deshalb so schlecht verträglich.
Myers steht mit dieser These nicht allein. Populär wurde sie vor allem durch den Bestseller Weizenwampe (im Original Wheat Belly, 2011) des US-Kardiologen William Davis. Darin wird moderner Weizen als genetisch veränderter Dickmacher beschrieben, dessen Eiweissbruchstücke wie eine Droge süchtig und hungrig machen sollen. Forschende der Universität Maastricht und von Rothamsted Research haben diese Thesen 2013 überprüft. Ihr Fazit: Die Behauptungen zu Sucht und Überessen lassen sich nicht belegen. Vollkornweizen in üblichen Mengen ist vielmehr mit weniger Typ-2-Diabetes, weniger Herzkrankheiten und einem besseren Gewichtsmanagement verbunden. Richtig ist an Weizenwampe nur, dass stark verarbeitetes Weissbrot den Blutzucker schnell ansteigen lässt. Das gilt aber für viele raffinierte Stärkeprodukte und ist eher ein Argument für Vollkorn als gegen Weizen.
Das Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie in Freising hat 2020 überprüft, ob heutiger Weizen tatsächlich mehr Gluten enthält. Die Forschenden bauten 60 Weizensorten an, die zwischen 1891 und 2010 in Deutschland beliebt waren, und zwar unter denselben Bedingungen. Das Ergebnis: Der Glutengehalt ist über 120 Jahre gleich geblieben. Moderne Sorten enthalten sogar etwas weniger Protein und weniger Gliadin, also genau jenen Teil des Glutens, der bei Zöliakie als Hauptauslöser gilt. Der Anteil des zweiten Gluten-Bausteins, Glutenin, ist dafür leicht gestiegen. Einen grösseren Einfluss auf den Glutengehalt hatte das Wetter im jeweiligen Anbaujahr.
Und die «fünf Prozent neuen Proteine»? Die Studie, auf die Myers dafür verweist, untersuchte Pflanzen, die im Labor durch Verschmelzung von Brotweizen- und Wildgras-Zellen erzeugt wurden. Auf die Sorten, aus denen dein Brot gebacken wird, lässt sich das nicht übertragen.
Auch chemisch verändertes Gluten gibt es tatsächlich. Dabei wird Gluten mit Säure behandelt, damit es sich in Wasser löst und als Bindemittel in Fertigprodukte oder Kosmetika gemischt werden kann. Das ist aber keine Eigenschaft von «heutigem Weizen», sondern ein spezieller Zusatzstoff. Einzelne Menschen haben dagegen eine Allergie entwickelt, obwohl sie normalen Weizen problemlos vertragen. Ein echtes, aber eng begrenztes Problem dieses Zusatzstoffs, kein Argument gegen das Butterbrot.
Was sich in den letzten Jahrzehnten tatsächlich verändert hat, ist eher, wie viel und in welcher Form wir Weizen essen: als Toastbrot, Gipfeli, Pizza, Kekse, Snacks und Fertigprodukte, oft mehrmals täglich. Ob das ein Problem ist, hat dann aber weniger mit Gluten zu tun als mit dem, was sonst noch in diesen Produkten steckt und was dafür auf dem Teller fehlt.
Hafer, Sauerteig und Dinkel: Was ist besser verträglich?
Ob Brot gut verträglich ist, hängt nicht nur vom Getreide ab, sondern auch davon, wie es verarbeitet wird. Auch im deutschsprachigen Fitnessbereich ist «Iss glutenfrei» ein beliebter Tipp. Ein Beispiel ist der Artikel «Gluten ist nicht gleich Gluten» von Wolfgang Unsöld vom YPSI aus dem Jahr 2017. Unsöld schreibt aus seiner langjährigen Praxis als Trainer, und der Artikel enthält einige spannende Punkte. Bei manchen Aussagen lohnt sich aber ein Blick auf die aktuelle Studienlage, besonders wenn es um Menschen mit Zöliakie geht.
Hafer: Hier stimmt der Titel. Gluten ist tatsächlich ein Sammelbegriff für verschiedene Speicherproteine. Im Weizen sind es Gliadin und Glutenin, in Roggen, Gerste und Hafer jeweils eigene Varianten. Das Haferprotein Avenin ist deutlich weniger problematisch. Eine Meta-Analyse von 2017 fand keine Hinweise darauf, dass reiner, nicht verunreinigter Hafer bei Zöliakie-Betroffenen Beschwerden, Darmschäden oder Antikörper auslöst. Die Datenqualität war allerdings niedrig, und ein kleiner Teil der Betroffenen verträgt auch reinen Hafer nicht. Normaler Hafer ist zudem oft mit Weizen verunreinigt. Wer Zöliakie hat, greift deshalb zu zertifiziert glutenfreiem Hafer und führt ihn in Absprache mit dem Arzt ein.
Sauerteig: Hier ist Vorsicht wichtig. Im YPSI-Artikel heisst es, 8 von 10 Menschen mit Zöliakie würden Sauerteigbrot ohne spürbare Symptome vertragen. Die Studien, die es dazu gibt, zeichnen ein differenzierteres Bild: In einer italienischen Studie bekamen Zöliakie-Betroffene 60 Tage lang Backwaren, deren Mehl mit speziell ausgewählten Milchsäurebakterien und Pilzenzymen fast vollständig von Gluten befreit wurde. Nur das vollständig abgebaute Mehl mit unter 10 ppm Restgluten war sicher. Die beiden Teilnehmenden, deren Gebäck noch rund 2’500 ppm Gluten enthielt, hatten zwar keine Beschwerden, entwickelten aber trotzdem eine deutliche Schädigung der Darmschleimhaut. Genau das ist der Punkt: Bei Zöliakie heisst «keine Symptome» nicht «kein Schaden». Ein normales Sauerteigbrot vom Bäcker ist für Zöliakie-Betroffene tabu.
Lange Teigführung: Hier liegt ein echter Hebel. Für Menschen ohne Zöliakie, die auf Weizen mit Blähungen reagieren, gibt es dagegen eine gute Nachricht. Forschende der Universität Hohenheim zeigten, dass eine Teigruhe von mehr als vier Stunden den Gehalt an FODMAPs, also vor allem an Fruktanen, im Brot um bis zu 90 Prozent senken kann. Die Art der Zubereitung war dabei wichtiger als die Getreidesorte. Dinkel, Emmer oder Einkorn schnitten nicht automatisch besser ab. Da Fruktane wie oben beschrieben häufiger der Auslöser sind als Gluten, lohnt sich für viele zuerst der Wechsel vom schnell gebackenen Toastbrot zum Brot vom Handwerksbäcker mit langer Teigführung.
Einen weiteren Punkt würden wir heute anders einordnen: Dass heutiges Mehl ein Vielfaches mehr Gluten enthalte als vor 50 Jahren, widerlegt die oben beschriebene Studie mit 60 Weizensorten aus 120 Jahren.
Die Sicht der Psychoneuroimmunologie
Biochemisch besonders detailliert argumentieren Fachleute aus der klinischen Psychoneuroimmunologie (cPNI). Dieser Ansatz betrachtet Nerven-, Hormon-, Immun- und Stoffwechselsystem als zusammenhängendes Ganzes. Einer ihrer bekanntesten Vertreter ist der niederländische Biochemiker und Physiologe Leo Pruimboom, der die klinische PNI massgeblich begründet hat und heute unter anderem mit der Universität Granada zusammenarbeitet. Gluten sieht er sehr kritisch.
In einem 2013 veröffentlichten Review beschreiben Pruimboom und die Forscherin Karin de Punder, wie Getreide über zwei Wege Entzündungen fördern könnte. Zum einen über Gliadin, das wie oben beschrieben über Zonulin die Darmbarriere öffnen kann. Zum anderen über ein Abwehreiweiss des Weizens, ein sogenanntes Lektin, das im Labor ebenfalls die Darmwand durchlässiger machen und Immunzellen aktivieren kann. Ihre These: Diese Mechanismen könnten nicht nur bei Zöliakie, sondern auch bei vielen anderen Menschen zu chronischen, unterschwelligen Entzündungen und Autoimmunerkrankungen beitragen. Dahinter steht ein evolutionärer Gedanke: Getreide ist für den Menschen ein relativ junges Lebensmittel, an das sich unser Immunsystem womöglich noch nicht vollständig angepasst hat.
Die biochemischen Mechanismen sind gut beschrieben und machen nachvollziehbar, warum Gluten in der PNI einen so schlechten Ruf hat. Die Autoren weisen allerdings selbst darauf hin, dass die meisten Belege aus Zell- und Tierversuchen stammen und gut gemachte Studien am Menschen noch fehlen. Die Doppelblindstudien und Langzeitbeobachtungen in diesem Artikel zeigen bei gesunden Menschen bisher keine klaren Schäden durch Gluten, schliessen aber auch nicht aus, dass bestimmte Menschen empfindlicher reagieren als andere. Unser Fazit: Die PNI liefert wertvolle Erklärungsmodelle und gute Gründe, genauer hinzuschauen, besonders bei Autoimmunerkrankungen oder chronischen Entzündungen. Als pauschale Empfehlung für alle reicht die Studienlage aber noch nicht.
Was bringt glutenfrei, wenn du gesund bist?
Bleibt die Frage, warum sich so viele Menschen ohne Gluten besser fühlen. Eine dänische Studie liefert dazu eine ziemlich elegante Antwort. 60 gesunde Erwachsene ernährten sich jeweils acht Wochen lang glutenarm (2 Gramm pro Tag) und glutenreich (18 Gramm pro Tag), bei gleicher Ballaststoffmenge. In der glutenarmen Phase hatten sie weniger Blähungen und ihr Mikrobiom veränderte sich. Die Forschenden führen das aber nicht auf das fehlende Gluten zurück, sondern darauf, dass sich die Art der Ballaststoffe verändert hatte. Wer Weizen weglässt, isst eben auch weniger Fruktane und mehr von etwas anderem.
Auf der anderen Seite der Waage: Eine Auswertung von über 100’000 Menschen aus zwei grossen amerikanischen Langzeitstudien fand über 26 Jahre keinen Zusammenhang zwischen Glutenkonsum und Herzinfarkten. Wurde berücksichtigt, wie viel Weissmehl die Teilnehmenden assen, war mehr Gluten sogar mit einem etwas geringeren Risiko verbunden, vermutlich weil es dann vor allem aus Vollkorn stammte. Die Autoren warnen deshalb davor, gesunden Menschen eine glutenfreie Ernährung zu empfehlen, weil dabei leicht wertvolle Vollkornprodukte wegfallen. Über die Rolle von Ballaststoffen für deinen Darm haben wir übrigens erst kürzlich einen eigenen Artikel geschrieben.
Und im Sport? Auch in der Sporternährung ist glutenfrei längst ein Trend. Eine Studie mit 13 Radsportlern ohne Zöliakie gab den Athleten eine Woche lang verblindet entweder Riegel mit 16 Gramm Gluten pro Tag oder glutenfreie Riegel. Weder bei der Leistung im Zeitfahren noch bei Magen-Darm-Beschwerden, Wohlbefinden, Entzündungswerten oder einem Marker für Darmschäden zeigte sich ein Unterschied.
Dass sich viele trotzdem besser fühlen, ist kein Widerspruch. Wer auf Gluten verzichtet, isst oft automatisch weniger Fertigprodukte, Gebäck und Snacks, kocht mehr selbst und achtet bewusster auf seine Ernährung. Das allein kann schon viel bewirken. Nur verdient dann eben nicht das fehlende Gluten die Lorbeeren.
Glutamin: Unsere Erfahrung und was die Studien sagen
Wenn Kundinnen und Kunden bei uns über Verdauungsprobleme klagen, kommt in der Ernährungsberatung oft ein Supplement ins Spiel, mit dem wir gute Erfahrungen gemacht haben: Glutamin. Weil uns Erfahrung allein aber nicht reicht, schauen wir bei Supplements immer auch auf die Studienlage. Ein Werkzeug, das wir dafür häufig nutzen, ist Examine, eine unabhängige Datenbank, die Studien zu Nahrungsergänzungsmitteln auswertet und selbst keine Supplements verkauft.
Glutamin ist eine Aminosäure, die dein Körper normalerweise in ausreichender Menge selbst herstellt. Sie ist aber der bevorzugte Brennstoff für die Zellen der Darmschleimhaut und für Immunzellen. Bei schweren Verletzungen, Verbrennungen oder Krankheit steigt der Bedarf so stark, dass Glutamin als «bedingt essenziell» gilt. Genau hier ist die Wirkung auf die Darmbarriere am besten belegt: Camilleri nennt in seinem Leaky-Gut-Review ausdrücklich Glutamin als Beispiel dafür, dass sich eine erhöhte Durchlässigkeit bei schweren Verbrennungen zurückbilden kann. Den oft versprochenen Effekt auf den Muskelaufbau bei Gesunden konnte die Forschung laut Examine dagegen nicht bestätigen.
Zwei Studien sind für unser Thema besonders interessant:
- Reizdarm nach einer Darminfektion: In einer Doppelblindstudie, 2019 im Fachjournal Gut veröffentlicht, erhielten 106 Menschen mit Reizdarm und nachweislich erhöhter Darmdurchlässigkeit acht Wochen lang dreimal täglich 5 Gramm Glutamin oder ein Placebo. In der Glutamin-Gruppe besserten sich die Beschwerden bei rund 80 Prozent, in der Placebo-Gruppe bei knapp 6 Prozent. Die Durchlässigkeit normalisierte sich nur unter Glutamin. Ein beeindruckendes Ergebnis, aber mit Einschränkungen: Die Teilnehmenden waren sehr gezielt ausgewählt, und Kritiker wiesen darauf hin, dass das Placebo aus Molkenprotein selbst Beschwerden ausgelöst haben könnte. Grössere Studien stehen noch aus.
- Training in der Hitze: Eine Studie mit zehn Männern zeigte, dass Glutamin zwei Stunden vor einem Lauf in der Hitze die belastungsbedingte Darmdurchlässigkeit abschwächte, und zwar umso stärker, je höher die Dosis war. Auf die Magen-Darm-Beschwerden hatte das allerdings keinen messbaren Einfluss.
Unsere Einordnung: Glutamin ist eines der wenigen Supplements, bei denen es für die Darmbarriere einen plausiblen Mechanismus und erste gute Studien gibt. Das deckt sich mit dem, was wir in der Praxis sehen: Bei vielen Kundinnen und Kunden mit Verdauungsbeschwerden bessern sich die Beschwerden. Eine mögliche Erklärung: Die Darmzellen nutzen Glutamin als Hauptbrennstoff und erneuern sich ständig. Am Menschen untersucht ist dieser Effekt bisher aber vor allem bei schweren Erkrankungen, und unsere Beobachtungen aus der Beratung sind keine kontrollierte Studie. Auch der Placebo-Effekt spielt bei Verdauungsbeschwerden eine grosse Rolle, wie wir weiter oben gesehen haben.
Wie viel Glutamin sinnvoll ist, besprechen wir individuell in der Ernährungsberatung. In der Reizdarm-Studie oben waren es dreimal täglich 5 Gramm, also 15 Gramm pro Tag. Sehr hohe Mengen können laut Examine den Ammoniakspiegel im Blut erhöhen.
Wichtig bleibt: Glutamin ersetzt keine ärztliche Abklärung. Es ist dann sinnvoll, wenn eine Zöliakie und andere Ursachen ausgeschlossen sind. Wer eine Leber- oder Nierenerkrankung hat, sollte Glutamin nur in Absprache mit dem Arzt nehmen. Und nebenbei: Molken- und Kaseinprotein sind von Natur aus reich an Glutamin. Wer genug Protein isst, nimmt also schon einiges davon auf.
Was heisst das für dich und dein Training?
Hier wird es fast ein bisschen ironisch: Wenn es etwas gibt, das deinen Darm bei gesunden Menschen nachweislich kurzfristig durchlässiger macht, dann ist es nicht das Brot zum Frühstück, sondern dein Training. Bei Ausdauersportlern ist das seit Jahren bekannt, besonders bei langen, intensiven Einheiten und in der Hitze. Eine Studie mit trainierten Kraftsportlern zeigte, dass auch eine einzige harte Krafteinheit die Darmdurchlässigkeit erhöht, bei Männern stärker als bei Frauen. Niemand käme deshalb auf die Idee, Kniebeugen als gesundheitsschädlich zu verbannen. Dein Darm ist darauf ausgelegt, solche kurzen Öffnungsphasen wegzustecken und sich wieder zu schliessen.
Beim wichtigsten praktischen Rat sehen wir es etwas anders als der HuffPost-Text. Myers empfiehlt, Gluten 30 Tage wegzulassen und auf den eigenen Körper zu hören. Das Körpergefühl ist wertvoll, nur sollte es nicht am Anfang stehen. Ohne vorherigen Test kann dieses Vorgehen nämlich eine Zöliakie-Diagnose erschweren. Und wie die Doppelblindstudien oben zeigen, fühlen sich viele Menschen auch dann besser oder schlechter, wenn sie gar nicht wissen, ob sie Gluten gegessen haben. Dasselbe gilt für den Selbsttest mit einer glutenfreien Woche, den der YPSI-Artikel vorschlägt.
Praktisch bedeutet das:
- Hast du regelmässig Beschwerden nach Brot und Pasta, lass zuerst Zöliakie abklären, bevor du Gluten weglässt. Das ist der wichtigste Punkt in diesem Artikel. Der Bluttest funktioniert nur zuverlässig, solange du noch Gluten isst. Wer schon einige Wochen glutenfrei lebt, bekommt im Test womöglich ein falsch negatives Ergebnis. Vor dem Test solltest du deshalb in Absprache mit dem Arzt wieder regelmässig Gluten essen.
- Denk an Fruktane und andere FODMAPs. Wenn du auf Weizen, aber auch auf Zwiebeln, Knoblauch oder Hülsenfrüchte mit Blähungen reagierst, ist Gluten vermutlich nicht der Hauptverdächtige. Ein Ernährungstagebuch und eine fachlich begleitete Auslassdiät bringen hier mehr als ein pauschales Gluten-Verbot. Auch unsere Darmflora spielt dabei eine grosse Rolle.
- Spar dir teure Zonulin- oder «Leaky-Gut»-Tests. Ihre Aussagekraft ist zumindest bei den gängigen Testkits fraglich.
- Wenn du dich ohne Weizen besser fühlst, ist das völlig in Ordnung. Ersetze ihn dann aber durch ballaststoffreiche Alternativen wie Hafer, Buchweizen, Hirse, Quinoa, Kartoffeln oder, wenn du sie gut verträgst, Hülsenfrüchte und nicht durch glutenfreies Weissbrot und Kekse aus dem Spezialregal. Glutenfreies Junkfood bleibt Junkfood.
- Iss regelmässig fermentierte Lebensmittel. Statt nur zu überlegen, was du weglässt, lohnt sich der Blick darauf, was du deinem Darm Gutes tun kannst. In einer Studie der Stanford University assen 36 gesunde Erwachsene zehn Wochen lang entweder besonders viele fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Kefir, Sauerkraut, Kimchi oder Kombucha oder besonders ballaststoffreich. In der Fermentiert-Gruppe stieg die Vielfalt der Darmbakterien, und zwar umso stärker, je grösser die Portionen waren, während gleichzeitig zahlreiche Entzündungsmarker im Blut sanken. Die Darmdurchlässigkeit wurde dabei zwar nicht gemessen, und die Studie war klein. Ein Glas Kefir oder eine Portion Sauerkraut zusätzlich ist aber ein einfacher und günstiger Schritt.
Fazit
- Gliadin aus Gluten kann im Labor die Darmbarriere kurzfristig öffnen, auch bei Menschen ohne Zöliakie. Bei Gesunden ist dieser Effekt aber klein und vorübergehend. Dass Brot bei ihnen einen dauerhaft löchrigen Darm verursacht, ist nicht belegt.
- Für Menschen mit Zöliakie ist Gluten tatsächlich schädlich, und eine strikt glutenfreie Ernährung ist für sie unverzichtbar. Das betrifft rund einen von hundert Menschen.
- Viele, die sich als glutensensitiv bezeichnen, reagieren in verblindeten Tests nicht auf Gluten, sondern eher auf Fruktane oder andere Bestandteile im Weizen. Bei einem Teil lassen sich aber echte, messbare Veränderungen nachweisen.
- Moderner Weizen enthält nicht mehr Gluten als alte Sorten. Verändert haben sich vor allem Menge und Form, in der wir Weizen essen. Brot mit langer Teigführung enthält deutlich weniger Fruktane und wird oft besser vertragen, ist für Zöliakie-Betroffene aber genauso tabu wie jedes andere Weizenbrot.
- Wer ohne Zöliakie auf Gluten verzichtet, profitiert gesundheitlich nicht automatisch und riskiert, wertvolle Vollkornprodukte und Ballaststoffe zu verlieren. Auch im Sport bringt glutenfrei keinen Leistungsvorteil.
- Für Glutamin gibt es einen plausiblen Mechanismus und erste gute Studien zur Darmbarriere, vor allem bei schweren Erkrankungen und bei Reizdarm nach einer Darminfektion. Eine ärztliche Abklärung ersetzt es nicht.
Du musst dein Brot also nicht aus Angst vor einem löchrigen Darm verbannen. Wenn du Beschwerden hast, nimm sie ernst und lass sie abklären, aber in der richtigen Reihenfolge: erst testen, dann weglassen. Und wenn du dich mit weniger Weizen wohler fühlst, darfst du das gerne so handhaben. Nur sollte dann auf deinem Teller etwas Besseres liegen als glutenfreie Kekse. Und wenn du gleich noch ein paar weitere Ernährungsmythen loswerden willst: Hier findest du die 10 häufigsten Ernährungsirrtümer, die uns bei Personalworkout begegnen.
Häufige Fragen zu Gluten und Leaky Gut
Kann man Leaky Gut testen?
In der Forschung wird die Durchlässigkeit des Darms mit Zuckertests gemessen. Die Zonulin-Tests, die viele Labore anbieten, sind dagegen wenig aussagekräftig, denn ein weit verbreiteter Test erkennt das eigentliche Zonulin gar nicht. Eine anerkannte Diagnose «Leaky-Gut-Syndrom» gibt es nicht.
Ist Dinkel besser verträglich als Weizen?
Nicht automatisch. Dinkel enthält ebenfalls Gluten und ist für Menschen mit Zöliakie genauso tabu. Bei Blähungen kommt es vor allem darauf an, wie das Brot gebacken wird. Eine lange Teigruhe senkt den Gehalt an Fruktanen stark, egal ob bei Weizen, Dinkel, Emmer oder Einkorn.
Ist Sauerteigbrot bei Zöliakie erlaubt?
Nein. Normales Sauerteigbrot vom Bäcker enthält weiterhin Gluten. Als sicher erwiesen sich in Studien nur spezielle Backwaren, deren Mehl fast vollständig von Gluten befreit wurde. Bei Zöliakie kann Gluten die Darmschleimhaut auch dann schädigen, wenn man keine Beschwerden spürt.
Dürfen Menschen mit Zöliakie Hafer essen?
Reiner, zertifiziert glutenfreier Hafer wird von den meisten Betroffenen gut vertragen. Normaler Hafer ist dagegen oft mit Weizen verunreinigt. Weil ein kleiner Teil der Betroffenen auch reinen Hafer nicht verträgt, sollte man ihn in Absprache mit dem Arzt einführen.
Bringt eine glutenfreie Ernährung etwas im Sport?
Bei Sportlerinnen und Sportlern ohne Zöliakie bisher nicht. In einer verblindeten Studie mit Radsportlern zeigte sich weder bei der Leistung noch bei Magen-Darm-Beschwerden oder Entzündungswerten ein Unterschied.
QUELLEN
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- Von Myers zitierte Studie zu «neuen Proteinen» (somatische Hybride aus Weizen und Wildgras): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20130747
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