In diesem Blogbeitrag nehmen wir sogenannte Lifestyle-Genanalysen genauer unter die Lupe. Im Internet findet man solche Tests zur Bestimmung der optimalen Ernährungs- oder Trainingsform schon länger. Doch auch in Apotheken werden sie angeboten. Sie sagen dir, ob du besser Fett oder Kohlenhydrate verbrennst oder du eher der Ausdauer- oder Krafttyp bist. Teilweise gehen sie so weit, dass sie dir sogar Sportarten vorschlagen, in denen du besonders gut bist. Wie zuverlässig sind solche Testkits?

 

Was für Genanalysen gibt es?

Es gibt Dutzende verschiedene Anbieter. Einige beschränken sich auf die Bestimmung deiner Abstammung, andere sind sehr umfangreich und kosten knapp 1000 Franken.

Bei Anbietern, bei denen medizinische Aussagen (z.B. über Krankheiten) gemacht werden, muss ein Arzt dieser zustimmen. Der Apothekerverband fordert jedoch, dies künftig auch zu dürfen. Sofern es «nur» um Abstammung geht oder allgemeine Aussagen zu Trainings- oder Ernährungstyp gemacht werden, geht eine Bestellung auch ohne.

 

Wie funktionieren Genanalysen?

Alle Anbieter senden dir ein Testkit nach Hause (oder du kaufst es in einer Apotheke). Darin enthalten ist ein Röhrchen, in welches man eine Speichelprobe abgibt. Diese sendet man anschliessend ein. Das Resultat erfolgt dann einige Wochen später via E-Mail oder über eine eigene App der Dienstleister.

Deine Speichelprobe wird auf beim Anbieter hinterlegte Gene bzw. Varianten geprüft. Dies erfolgt durch Auffinden von sog. SNPs. SNPs sind Unterschiede in einzelnen Basenpaaren deiner DNA. Dadurch können kostengünstig viele Unterschiede (mehrere 10’000 Gene) auf einmal getestet werden.

 

Wie wissenschaftlich sind die Aussagen solcher Gentests?

Sucht man in Pubmed nach Studien, findet man nur sehr wenig Relevantes zu diesem Thema. Es werden mehr allgemeine Aussagen gemacht, die ich, zusammen mit anderen Quellen, hier zusammenfasse:

  • Es findet oftmals keine Validierung der Tests statt. Jeder kann einen Gentest anbieten und Aussagen dazu machen, die von keiner Stelle überprüft werden.
  • Selbst bei der enormen Anzahl von Genen, die teilweise überprüft wird, wird nur ca. 0.01% deiner DNA analysiert.
  • Die Annahme «1 Gen – 1 Funktion» ist meistens falsch. Es gibt zwar Krankheiten, die tatsächlich auf nur einer Genmutation beruhen wie z.B. Phenylketonurie oder Laktoseintoleranz. Meistens sind die Zusammenhänge aber viel komplexer. Deshalb sind auch Aussagen zu Sportarten oder Sporttypen aufgrund von 2 untersuchten Genen wie ACE II («Ausdauergen») oder ACTN3 («Powergen») stark vereinfacht, wenn nicht gar falsch. So haben in Grossbritannien beispielweise mehr als 20 Millionen das ACTN3 Gen mit Genotyp RR, doch nur ganz wenige sind Leistungssportler. Man schätzt zudem, dass dieses Gen weniger als 1% der Sprintleistung definiert.
  • Macht man Gen-Tests bei verschiedenen Anbietern, bekommt man teilweise total andere Ergebnisse. Das wirft schon viele Fragen auf.
  • Der Faktor Epigenetik wird bei solchen Gen-Analysen nicht berücksichtigt. Man weiss mittlerweile, dass Umwelt – und Lifestyle Einflüsse Gene ein- und ausschalten können. Folgende Grafik zeigt sehr schön, welche Einflüsse auf das Erscheinungsbild des Menschen einwirken. Die Genetik ist nur eine davon.

 

Fazit

Ich habe selbst vor einiger Zeit einen Test bei einem Anbieter gemacht. Solche Dinge interessieren mich. Die Resultate waren dann auch sehr interessant, mehr aber nicht. Ich muss aber auch sagen, dass dieser Anbieter auch eher zu den seriöseren gehört und nur sehr vage Aussagen gemacht werden. Abschliessend bleibt zu sagen: Wir empfehlen unseren Kunden keine solchen Tests, jedenfalls nicht wenn man handfeste Infos haben möchte, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Gentests könnte aber die Zukunft gehören, sofern wir irgendwann mehr über unsere Gene und deren Funktionsweise verstehen.

Zu diversen Themen können Konsultationen gebucht werden. Mehr Tipps zum Thema Lifestyle gibt’s auch in unserem kostenlosen Lifestyle-Guide (weiter unten). Viel Spass!

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Created by
Marc Sonderegger
Owner and Head Coach of Personalworkout